Kräuteriges Blumentopfbrot

Hach, Umzüge. Aussortieren, umordnen, wegschmeißen, verkaufen, Schrammelwohnungen besichtigen, Traumwohnungen nicht bekommen, alles in von der Familie schon mindestens dreimal gebrauchte, irgendwann mal komplett in Wasser getauchte und notdürftig mit Klebeband geflickte Pappkartons schmeißen, peinliche Briefe wiederfinden, ausgiebig in Erinnerungen schwelgen und den Rest des Tages nicht mehr weiterpacken, in Panik ausbrechen, gefühlte drei Milliarden E-Mails mit der neuen Adresse verschicken, solche versehentlich auch Adressbuchleichen aus grauesten Vorzeiten zukommen lassen, heimlich, still und leise im Boden versinken, weitermachen! Freunde aktivieren, das ganze Gelumpe von A nach B tragen, Bier trinken, Pizza essen, auf aneinandergereihten Stuhlkissen schlafen, am Morgen danach nicht mehr bewegen können – weder den eigenen, unsportlichen Körper, der sich nicht mal mehr die Mühe gibt so zu tun, als sei er noch jung und fit, noch innerhalb der neuen vier Wände, da diese mit Kram überhäuft sind. Sind das wirklich alles meine Sachen?! Nervenzusammenbruch. Kaffee trinken, langsam zu Potte kommen, feststellen, dass die besonders schweren Sachen, die in den Keller gesollt hätten, in der Dusche stehen, Ärmel hochkrempeln und losschuften!

Und tatsächlich – was jedes Mal wieder wie eine unmögliche Aufgabe scheint, nämlich das ganze Zeug, das man über die Jahre angesammelt hat, mit einer neuen Wohnung zu einem gemütlichen, heimeligen Ganzen zu vereinen, gelingt wider Erwarten dann doch. Nun folgt endlich der schöne, der angenehme Teil: Menschen, die einen besuchen und die neue Wohnung besichtigen bestätigen, was man insgeheim schon lange geahnt hatte – irgendwie muss da ein wahnwitziger, durchorganisierter, unglaublich cooler Superheld in meinen Genpool gelangt sein! Anders lässt sich das Wunder des vollkommen vollzogenen Umzugs einfach nicht erklären. Damit schließlich in der neuen Bleibe nicht sofort Unheil und Armut auf einen einprasseln, werden einem Brot und Salz gebracht – beides soll neben Fruchtbarkeit auch Sesshaftigkeit und Wohlstand symbolisieren (und das alles gefälligst auch mit in die neue Wohnung tragen!)

????????????????????????Da kürzlich eine besondere Freundin den oben beschriebenen Prozess durchlaufen hat (und nun in einer wunderschönen Behausung mit Garten zum Neidischwerden lebt), wollte ich ihr natürlich auch ein besonderes Brot zum Einzug überreichen. Gebacken wird es im Tontopf, wodurch es nicht nur niedlich aussieht, sondern auch die perfekte Geschenkmitnehmgröße bekommt. Und da Harald die Aufgabe das Brot zu backen übernommen hatte, durften ein paar Kräuter natürlich nicht fehlen – frischer Thymian, Rosmarin und Schnittlauch machen es neben seiner Funktion als universeller Glücks- und Reichtumsbote zu einer prima würzigen Beilage zu Gegrilltem, oder auch zu einer alternativen, aufregenderen Unterlage für milden Käse, als es schnödes Graubrot jemals sein könnte. (Hallo, Batje!) Wenn ich ehrlich bin, mag ich persönlich frisches, selbst gebackenes Brot am allerliebsten pur, also “ohne alles”, oder aber bestrichen mit kühler, gesalzener Butter. Besser geht’s nicht – und darum habe ich das Zweitbrot im Rahmen des auf den Backvorgang folgenden Abendessens auch umgehend vernichtet! Darum soll’s aber gar nicht gehen – nun also schnell zum Rezept:

Von Null auf lecker in: 2 Stunden, 45 Minuten (ohne Topfsäuberung)
Und sonst? 2 neue Tontöpfe (gibt’s günstig z.B. im Gartencenter), Backpapier, ggf. Mikrowelle, Schüssel, Handrührgerät mit Knethaken, Geschirrtuch zum Abdecken, Messer & Schneidebrett für das Hacken der Kräuter

Zutaten (für 2 Brote, Durchmesser der Tontöpfe ca. 12-15 cm):

  • 300 g Mehl????????????????????????
  • 1 Hefewürfel
  • 125 ml Milch
  • 1 Prise Zucker
  • 50 g Butter
  • 2 Eier
  • 1/2 TL Salz
  • frische oder getrocknete Kräuter je nach Geschmack, z.B. Bärlauch, Petersilie, Minze (oh ja!), Basilikum, Majoran oder auch Frühlingszwiebelringe; hier: frischer Thymian, getrockneter Schnittlauch & Rosmarin

1. Erst einmal werden die Blumentöpfe vorbereitet, die selbstredend neu und sauber sein sollten. Töpfe für mindestens zwei Stunden in kaltes Wasser legen, gut trocken tupfen und mit Backpapier auskleiden. Das geht am einfachsten, indem man zwei ca. 10 cm breite Streifen nimmt und sie über Kreuz in den Topf drückt.
harald backt12. Das Mehl in eine Schüssel sieben, in der Mitte eine Mulde formen und die Hefe hineinbröckeln. Die Milch in der Mikrowelle leicht erwärmen und mit dem Zucker in die Mulde geben, etwas umrühren und alles für ca. 15 Minuten stehen lassen. Weiche Butter, Eier und Salz dazugeben und alles zu einem Teig verkneten. Schüssel abdecken und Teig an einem warmen Ort ca. eine Stunde gehen lassen.
harald backt23. In der Zwischenzeit die Kräuter vorbereiten: Frisches säubern und fein hacken. Hier ist die Menge variabel; ich mag es lieber mit viiielen Kräutern, da so der Geschmack intensiver wird. Zum aufgegangenen Teig geben, gut unterkneten und die Masse auf die beiden vorbereiteten Töpfe verteilen. Noch einmal abdecken und ca. 30 Minuten gehen lassen. Backofen auf 200°C (Ober/Unterhitze) vorheizen, die Blumentopfbrote mit etwas Wasser bestreichen und auf der untersten Schiene für ca. 40-45 Minuten backen.

Fertig!  Sobald das Brot goldbraun wird, sollte mit der Holzstäbchenmethode getestet werden, ob es durchgebacken ist. Bleiben keine Krümel mehr am Stäbchen hängen, das an einer unauffälligen Stelle einmal durch das Brot gestochen wird, dann ist es fertig und dem sofortigen Genuss steht, bis auf die Tatsache, dass es noch verdammt heiß ist, nichts mehr im Wege. Also: Lieber abkühlen lassen, vielleicht hübsch einpacken, zum Grillen, als Einzugsgeschenk oder einfach so zwischendurch mitbringen. Oh – und gerade bei langen, anstrengenden, ermüdenden Umzügen freut sich jeder über was Leckeres zwischendurch! Frohes Nachbacken und Wegnagen :)!
harald liebt1

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